FERDINAND LINZENICH "SOLO!"
Am 16.03.2010 im Kölner Senftöpfchen-Theater
eine Kritik vom 19.03.2010
Er bezeichnet sich selbst als der Hadschi der Heiterkeit, also einen Pilger im Geiste des Humors, der Weisheit und der feinen kleinen Provokationen. In seinem ersten Solo-Programm „Ich liebe das Leben, weil ich darin auftreten darf!“ zeigt sich Ferdinand Linzenich, der seit 25 Jahren mit dem Duo „Kleine & Linzenich“ auftritt, als bewusstseinserheiternder Komödiant, der weiß, wie man den alltäglichen Frust „Schwindsucht der Seele“) loswird und warum der Deutsche zum Pessimismus neigt. Und sie kriegen ihr Fett ab, die Problembetrachtermit den heruntergezogenen Mundwinkeln und dem Tunnelblick. Wie wäre es mit einem radikalenPerspektivwechsel: das Leben einmal von seinem Ende her aufrollen – bis man aus der Schule fliegt – mit einer Tüte voller Süßigkeiten. Zum Beispiel. Linzenich packt sein Publikum im Senftöpfchen-Theater am Kragen und katapultiert es in angstfreie Sphären, dorthin, wo die geistige Selbstbeschränkung aufhört und es ausschließlich bergauf geht. Donnernder Aplaus. (kol)
„MEINE ART ZU SPIELEN BLEIBT“
KABARETTIST FERDINAND LINZENICH GIBT IM INTERVIEW AUSKUNFT ZU SEINEM ERSTEN SOLOPROGRAMM OHNE NIKOLAUS KLEINE UND SPRICHT ÜBER DIE NÖTE ALS EINZIGER AUF DER BÜHNE.
27.11.09, Thomas Rausch, „Rhein-Berg-Online“
KSTA: Herr Linzenich, im Duo Kleine & Linzenich haben Sie immer eine bestimmte Rolle gespielt. Was bleibt davon in Ihrem Soloprogramm?
LINZENICH: Es bleibt, dass Ferdinand Linzenich auf der Bühne steht. Es bleibt meine Art zu spielen, zu rezitieren und zu singen. Das Publikum wird dabei einen authentischeren Ferdinand Linzenich erleben - bisher war meine Rolle holzschnittartiger angelegt. Der hemdsärmelige, chauvinistische Proll war ja eine Karikatur. Künftig kann ich viel differenzierter auftreten. Dabei verstoße ich weiter gegen die Political Correctness und ermuntere dazu, gewohnte Denkschemata zu durchbrechen.
KSTA: Die Parodie des Macho ist also abgehakt. Welche neuen Themen kommen jetzt?
LINZENICH: Wir sind in einer Zeit, in der Leute inhaltlich etwas für sich mitnehmen wollen. Das politische Gesinnungskabarett war irgendwann durch, und auch die Comedy hat ihren Zenit überschritten. Bei mir gehen die die Zuschauer auf eine zweistündige Reise durch den Alltag, bei der sie ihre Perspektive verändern. Ich erzähle in Anekdoten, wie eine positive Lebenseinstellung weiterhilft. Ich nenne das eine „satirische Bewusstseinserheiterung“. Diese Stoßrichtung kündigt auch der Titel des Programms an: „Ich liebe das Leben . . . - weil ich darin auftreten darf!“ Das wird natürlich hochunterhaltsam.
KSTA: Ist ein Solo-Auftritt schwieriger als ein Abend im Duo?
LINZENICH: Im Gegenteil, es ist erheblich schwieriger, zu zweit zu agieren. Du musst dich sehr auf den Partner einstellen und hochkonzentriert an ihm dran sein. Als Solist bist du dafür zwei Stunden lang der Zirkusdirektor, du kannst nicht mal fünf Minuten Pipi machen, während der andere den Laden schmeißt. Ich mache mir darüber aber wenig Sorgen. Bei meinen Auftritten für Unternehmen - ich nenne das strategisches Entertainment - stehe ich seit vielen Jahren allein vor Publikum. Neu ist nur, dass ich das auch im Theater mache.
KSTA: Das heißt aber, dass sich Ihre Fans umstellen müssen.
LINZENICH: Natürlich muss sich das Publikum darauf einstellen. Die Zuschauer werden aber viel Spaß kriegen. Stehen zwei Leute auf der Bühne, bestimmen Sketche das Programm, bei einem Soloprogramm lässt sich inhaltlich mehr machen. Abwechslung gibt es durch Songs und überraschende inhaltliche Wendungen.
KSTA: Wie geht es nach „Ich liebe das Leben . . . “ weiter?
LINZENICH: Als Duo Kleine & Linzenich haben wir alle zwei Jahre ein neues Programm gemacht. Das habe ich auch als Solist vor. Ich bin zu jung, um aufzuhören.


