Ich zähle das Leben nicht nach Jahren
Ich zähl das Leben nicht nach Jahren,
weil Jahre zählen völlig nutzlos ist.
Ich liste lieber auf, was mir so widerfahren,
weil nur Erlebtes unser wahres Alter misst.
Doch ist es weniger die Summe der Erfahrung
als mehr die Art, wie man sie bilanziert.
Ob man im Herzen bei der Aufbewahrung
mehr Freuden oder Bitterkeiten spürt.
Als Mensch da wird man einfach nur geboren,
um es zu bleiben, muss man ab und an verlieren
und sagen lernen: „Gut ich hab verloren,
was soll’s, dann kriech ich mal auf allen Vieren.
Gewinnen? Siegen? – das kann doch jeder Idiot.
Ich glaub man kann wohl ohne Zweifel sagen:
„Die wahre Größe eines Menschen zeigt sich in der Not
und wie und was er lernt aus seinen Niederlagen.“
Vielleicht Gelassenheit, als Privileg im Alter?
Vielleicht trotz aller Erdenschwere, Leichtigkeit?
Ich weiß, es gibt für so etwas noch keinen Schalter
und keine Pillen. Die Forschung ist noch nicht so weit.
Erkenntnis muss noch immer in uns reifen,
man braucht Geduld dazu und sehr viel Zeit.
Man muss durch Schmerz und Leid begreifen,
Freiheit ist vor allem innere Unabhängigkeit.
Ich glaub’ der wahre Weg zu einem selber hin,
der führt zunächst von einem selber fort.
Da liegt in der Distanz zu sich der Zugewinn,
du selbst wirst später erst dein Zufluchtsort.
Nach Jahren also zählt man nicht das Leben.
Die Weisheit ist ein besserer Wertemesser.
Die wird uns auch die Schlusspointe geben:
„Wir werden doch nicht älter, sondern besser.“
Selbsterkenntnis
Ich machte irgendwo zuletzt vor’m Spiegel Faxen
und plötzlich schaute ich mich kritisch prüfend an.
Und dachte: „Der da zurückschaut ist erwachsen,
das ist kein Junge mehr, das ist ein Mann.“
Ich ließ mir Zeit bei meinem Selbstbetrachten,
ich wollte das Gesicht, das mir das Leben gab, verstehn.
Und daher mal auf kleinste Kleinigkeiten achten,
um in den Spuren im Gesicht, mich selbst zu sehn.
Und doch es sind wohl weniger die aufschlussreichen Falten
als mehr die Augen, die mal unbeschwerter blickten.
Weil sie in ihrem Ausdruck viel von dem behalten,
was wir so an Ballast zu unserer Seele schickten.
Es nutzt nichts hinter Kindheitstagen herzuhecheln
dem unbeschwerten Leben so in tausendfachem.
Ich kann auch heute mehr als früher lächeln,
jedoch bei weitem nicht so oft mehr lachen.
Für Altersweisheit kriege ich noch keinen Orden
so manchen Widerspruch in mir kann ich nicht fassen.
So bin ich bei Nichtigkeiten unduldsam geworden,
doch wenn’s drauf ankommt weitaus mehr gelassen.
Der Spiegel zeigt man wird halt älter,
ob man auch klüger wird, das zeigt er nicht.
Doch eine Frage, ja, die stellt er:
Was sagen mir die Spuren wirklich im Gesicht?
Sie sind der Ausdruck mancher Sorgen
man trägt heut’ mehr als früher mit sich rum.
Hältst du auch vieles tief in dir verborgen,
die Falten zeigen es dir stumm.
Es ist bei mir auch nicht das Kind im Mann
was da vor’m Spiegel stehend macht die Faxen.
Es ist das Wissen drum, dass ich es kann und bin...,
...bewusst und gern und Gott sei dank erwachsen.
Die große Freude an kleinen Dingen
Warum sollte man nicht eine Hymne singen
über die große Freude an kleinen Dingen,
über tausend verrückte, herrliche Sachen,
die das Leben ein wenig heiterer machen.
Sich ganz spontan mit den Dingen befassen,
die im Leben die Fünf mal grade sein lassen.
Mal etwas tun, ohne viel nachzudenken.
Einem Fremden zum Beispiel ein Lächeln schenken.
Mal albern sein, wenn einen der Hafer sticht,
ohne das übliche: So was tut man doch nicht.
Dem Alltag einfach mehr abgewinnen,
schon den Morgen mit kleinen Faxen beginnen.
Wenn’s gar nicht passt, ein Spiel vorschlagen,
bei einem Meeting die Reise nach Jerusalem,
oder seine Hand abdrücken in matschigem Lehm.
Und auf offener Straße ein Tänzchen wagen.
Mit deiner Frau spontan mal Händchen halten.
Ein Kirchenlied laut in der Kneipe singen.
Außer Rand und Band in Kissen rum springen
und aus Papier noch mal ein Flugzeug falten.
Oder einfach mal aus Übermut eben,
als sei es normal bei dieser Frage,
ob man denn zufällig ’ne Uhr anhabe,
nur ein verschmitztes „Ja“ zur Antwort geben.
Sich den Tag mit einem Flirt versüßen.
Im Clownkostüm die eignen Kinder wecken.
Sich meinetwegen einen Joint anstecken.
Oder durch den Regen gehen mit nackten Füßen.
Im Speicher stöbern in allen Winkeln.
Hinter Leuten wie ein Hund herbellen,
vielleicht auch wieder Mäuschenschellen.
Und mit Freunden um die Wette pinkeln.
Die Welt im Kopfstand zu betrachten.
Mit guten Freunden augenzwinkernd streiten.
Ne alte Dame plaudernd nach Haus geleiten.
Noch mal ein großes Haus zu bau’n - aus Karten.
Ja, über diese Freude an kleinen Dingen
Da ließen sich noch viele Strophen singen.
Über die tausend verrückten, herrlichen Sachen,
die das Leben ein wenig heiterer machen.
Sich ganz spontan mit den Dingen befassen,
die im Leben die Fünf mal grade sein lassen.
Mal etwas tun, ohne viel nachzudenken.
Einem Fremden zum Beispiel ein Lächeln schenken
Mal albern sein, wenn einen der Hafer sticht
ohne das übliche: So was tut man doch nicht.
Sie können darüber schimpfen oder lachen.
Ich wüsste noch was Besseres - Selber machen!
„EINFACH MAL DIE KLAPPE HALTEN!“
Von Ferdinand Linzenich
War ja überaus lehrreich die Krise: Dank der medialen Experten, also derjenigen, die hinterher immer alles vorher gewusst haben, kennen wir jetzt so revolutionäre neue Denkansätze wie: Hochmut kommt vor dem Fall. Wenn es dem Esel zu wohl wird, geht er aufs Eis. Und: Du kannst nur das ausgeben, was Du verdient hast. – Wow!
Gut für viele Topmanager galt Letzteres nicht: Die konnten sogar einnehmen, was sie nicht verdient hatten.
Dabei sind die Funkes & Co. ja eigentlich auch nur leitende Angestellte und haben mit Unternehmern ungefähr so viel zu tun wie meine Oma mit einer Striptease-Tänzerin.
Ich meine, Georg Funke hätte auch in der DDR Karriere machen können. Ich bin davon überzeugt, der hätte ohne Umstellungsprobleme auch das petrochemische Kombinat in Leuna vor die Wand fahren können.
Noch mal zum mitschreiben: Unternehmer, dass sind die Leute in der Firma, die als einzige der Belegschaft keine Abfindung kriegen und kein Arbeitslosengeld beziehen, wenn der Laden Pleite geht. Ja, ich meine, mittelständischer Unternehmer in Deutschland – das ist zur Zeit fast so eine Tragödie wie schwanger im Vatikan.
Ich kenne auch keinen mittelständischen Unternehmer, der sich Boni auszahlt. Ich kenne aber eine Menge, die „Boni“ einzahlen, um Kapitallücken zu schließen.
Nicht-Unternehmer haben uns die Suppe eingebrockt und deshalb wünsche ich mir, dass diejenigen die Klappe halten, die bereits den Untergang der Marktwirtschaft prophezeien.
Im Gegenteil: Dass die künstliche Spekulationsblase geplatzt ist, halte ich für den besten Beweis dafür, dass die marktwirtschaftlichen Gesetze irgendwann immer funktionieren.
Der Markt ist nämlich nicht der Kopf oder das Herz einer Gesellschaft. Der Markt ähnelt eher der Leber. Mit kleinen Sünden kommt sie gut zurecht, aber Exzesse werden irgendwann bestraft. Im Wirtschaftsleben hat man dann eine Art „Börsen“zirrhose.
Aber so wie die Leber nicht den Schnaps bestellt, der sie umbringt, so bestellt der Markt auch nicht gierige Investmentbanker, staatliche Planungsstrategen und selbstherrliche Manager, die ihn krank machen.
Auch jetzt schreit wieder alles nach der Planwirtschaft – diesmal der moralischen Planwirtschaft. Klingt ein bisschen nach Umerziehungslager.
Dabei stellen sich Ethik und Moral im Wirtschaftsleben automatisch ein, wenn die Teilnehmer persönlich Verantwortung tragen müssen – wie das der „ehrbare Kaufmann“ seit jeher getan hat.
Warum sich mittelständische Unternehmer und Handwerksmeister zum Beispiel geradezu verpflichtet fühlen müssen, ihre Mitarbeiter anständig zu behandeln und zu bezahlen, hat ein angesehener Unternehmenspatriarch der alten Schule zuletzt auf den Punkt gebracht. Er sagte: „Ich behandele meine Leute schon deshalb gut, weil ich keine Lust habe, Sonntags beim Kirchgang beschimpft zu werden!“
Den schwadronierenden Experten sollten wir sagen: Einfach mal die Klappe halten. – Und wir Unternehmer tun das, was wir immer getan haben: Wir unternehmen was!
