
Witz und Wirkung
Kommunikation in Unternehmen beschränkt sich oft auf Verlautbarungen. Verschwendete Ressourcen, wenn man den Kabarettisten Ferdinand Linzenich fragt. Als Unternehmensberater setzt dieser auf strategisches Entertainment: Lachen mit Mehrwert.
Die Manager wussten nicht, wie ihnen geschah. 2010, zum Höhepunkt einer neuerlichen Rückrufwelle, hatte ein großer Automobilhersteller seine aufgebrachten Vertragshändler eingeladen, um den Zorn der Verkaufspartner zu kanalisieren. Kabarettist Ferdinand Linzenich sollte als Conferencier die grimmige Gruppe bei Laune halten. „Ich habe mit meinem Programm dem Management 20 Minuten in den Allerwertesten getreten, dass es eine Freude war“, erinnert sich der Bergisch-Gladbacher. Im Anschluss kam der Deutschlandchef der Vertragshändler auf Linzenich zu und sprach im sarkastischen Ton: „Vielen Dank, Sie haben uns aller Argumente beraubt.“ Humor besitzt eine Ventilfunktion. „Lachen heißt auch, Druck abzulassen“, sagt Ferdinand Linzenich. Könne man zusammen lachen, sei ein zwischenmenschliches Problem schon zu 70 Prozent gelöst.
Chief Executive Comedian
Ferdinand Linzenich ist ein Exot unter Deutschlands Kabarettisten. Er absolvierte eine Banklehre, studierte BWL und führt eine Fitnessstudiokette mit über 100 Mitarbeitern. Dennoch zog es ihn auf die Bühne. Für sein Publikum ist er Deutschlands einziger Wirtschaftskabarettist, als Unternehmensberater für seine Firmenkunden so etwas wie der Chief Executive Comedian. Er trainiert Führungskräfte, veranstaltet Mitarbeiterschulungen, hält Motivationsvorträge, schreibt Festreden und tritt als Keynote-Speaker auf, dreht Unternehmensfilme, überarbeitet Werbebotschaften – kurz: Er bringt Botschaften mit Humor in die Herzen der Menschen. „Die üblichen Reden führen zur üblichen inneren Immigration“, bemerkt Linzenich trocken. Er hingegen weiß, dass Kommunikation Menschen emotional steuern kann. Daher spricht er auch von strategischem Entertainment, um seine Tätigkeiten als Unternehmensberater auf den Punkt zu bringen. Wenn auch die Problemstellungen in der Kommunikation immer dieselben sind, ist es Ferdinand Linzenich wichtig, unternehmensspezifsche Lösungen zu finden. Als Rewe die Marktkauf Baumärkte erwarb und unter das Dach der Tochter Toom eingliederte, galt es die neuen Mitarbeiter an die Unternehmenskultur heranzuführen. „Sie hatten auch Angst um ihren Arbeitsplatz, ganz klar“, weiß Linzenich. Für eine Mitarbeiter-Vollversammlung drehte er mit dem Toom- Geschäftsführer einen Film, in dem er diesen mit humoristischem Augenzwinkern portraitierte. Danach sei den Mitarbeitern klar gewesen: Der ist Papa, der ist nett, der ist unkompliziert.
Flurschäden und Schätze
Gerade im Change Management entfaltet emotionale Kommunikation große Wirkung. „Ob Sanierungen, Umstrukturierungen oder Zukäufe – werden Ziele und Wege nicht nachvollziehbar vermittelt, entsteht ein emotionaler Flurschaden“, erläutert der Kabarettist, dem auch die jüngste Gallup-Studie zur Mitarbeiterzufriedenheit nicht verborgen geblieben ist. Demnach hat jeder dritte Mitarbeiter innerlich gekündigt. „Das ist ein ungehobener Schatz. Vergegenwärtigen sie sich die Efizienzsteigerungen, sollte es ihnen gelingen, diese Mitarbeiter wieder für ihr Unternehmen zu begeistern.“ Linzenich weiß, das es hilft, von einem Narr den Spiegel vorgehalten zu bekommen. Und ein Narr sei er gern.



Von der Kunst, der Welt mit einem Lächeln zu begegnen
TAS Lifestylemagazin 11/2010
Manchmal braucht es eine Weile, bis sich eine Tätigkeit für einen Menschen gefunden hat, in dem sein Herzblut aufgeht. Nach einem Jura-Studium, einer Banklehre und dem Studium zum Betriebswirt hat Ferdinand Linzenich sich zunächst 1982 mit einem Fitnessstudio in seiner Geburtsstadt Bergisch Gladbach selbstständig gemacht. Der zielstrebige Leistungssportler hat damit schon früh eine seiner privaten Leidenschaften erfolgreich zum Beruf gemacht. In den achtziger Jahren begann sich auch langsam sein Hang zum Entertainen herauszukristallisieren, auf zahlreichen Veranstaltungen trat er damals bereits auf. So kam es im Dezember 1984 dazu, dass ihm ein Moderationspartner für das Abendprogramm einer Nikolausfeier absagte. Zu Hilfe kam, als hätte das Schicksal die beiden zusammengeführt, Nikolaus persönlich. An diesem Abend waren Ferdinand Linzenich und Nikolaus Kleine ein so harmonisches Team, dass die Welt des Kabarett sich über die Geburt des Duos Kleine und Linzenich freuen durfte. Auf WDR 3 bekamen die beiden ihre eigene Fernsehshow. Auch im Fitnessbereich konnte Linzenich expandieren und begann mit der Filialisierung seiner Studios. Auch wenn sich das bereits wie eine Erfolgsgeschichte aus dem Bilderbuch liest – getreu den Worten des römischen Philosophen Cicero „Höre nie auf anzufangen und fange nie an aufzuhören“ entwickelt Linzenich schon wenige Jahre später eine neue große Idee. Er beschließt, sein großes Talent, Leute von einer Bühne aus zu begeistern und zum Lachen zu bringen, mit seinem betriebswirtschaftlichen Wissen zu vereinen. Zunächst fühlen sich die beiden Bereiche Kabarett und Unternehmensführung vollkommen konträr an, doch das einzigartige Konzept „Mit Humor zum Erfolg“ schlägt ein wie eine Bombe. So wandert Linzenich bei Unternehmen vom Abend- ins Tagesprogramm und stellt auf humoristische Weise den Betriebsalltag und dessen Problematiken dar. Diese neue Art der Kommunikation hält nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch Unternehmenschefs einen Spiegel vor. Das Beste daran? Niemand fühlt sich angegriffen, mehr noch, man lacht gemeinsam, während mit dem Gelächter auch das Begreifen kommt. Mit seinem Geschäftspartner Thomas Brückner berät er seitdem Unternehmen in Sachen Kommunikation.


Sei es persönliches Coaching, Personalentwicklung, die Organisation und Durchführung außergewöhnlicher Veranstaltungskonzepte oder die Schlichtung und Lösung von Kommunikationsproblemen – die „modernen Hofnarren“ nehmen alles mit einem Lächeln in die Hand und liefern Hilfe zur Selbsthilfe. In Zukunft soll auch der Fitness- und Gesundheitsgedanke mit in das Konzept einfließen und nicht nur die Reflexion und Kommunikation fördern, sondern auch Hirn und Körper zur Bewegung anregen. Bei diesen Erfolgsgeschichten kommt man nicht umhin, sich zu fragen, was denn nun, neben originären Einfällen und Projekten, das Rezept für den Erfolg ist. Die Wahrheit ist wohl, dass es kein eindeutiges Rezept gibt, wohl gibt es aber Eigenschaften, die, wie Linzenich sagt, dem Erfolg nicht abträglich sind. So ist eine gewisse Resilienz, ein „Steh-Auf-Männchen-Faktor“, sprich, die Fähigkeit auch aus Krisen noch Vorteile zu schlagen, günstig. Ebenso sind Menschen, die etwas kompensieren wollen, häufig erfolgreich und liefern Qualitativ hochwertige Arbeit ab, da sie vor den allerhöchsten Erwartungen, nämlich vor den eigenen, bestehen müssen. Dazu sagt Linzenich mit einem verschmitzten Grinsen, er glaube, Napoleon würde es nicht bis nach Russland geschafft haben, wenn dieser viel größer als 1,60 Meter gewesen wäre. Durch eine gute Portion Selbstreflexion behält man einen kühleren Kopf, denn wenn man sich die Frage stellt „Wie viel Prozent des Problems bin ich? “ fällt es leichter, Lösungen zu finden. Zu guter Letzt weiß Linzenich, dass man seiner Zeit immer einige Schritte voraus laufen muss. Am Ende ist jedoch die eigene Zufriedenheit und das Glück das Wichtigste, und niemals die die Kunst zu verlernen, der Welt mit einem Lächeln zu begegnen.
„ZWEI SUPER-NANNIES FÜR DIE WIRTSCHAFT“
DIE KABARETTISTEN KONRAD BEIKIRCHER UND FERDINAND LINZENICH
BERATEN JETZT UNTERNEHMEN IN DER KRISE.
Welt am Sonntag Nr. 15, 13. April 2008
Gegenüber von McDonalds und über dem Schuhladen Siemes liegt die Gedankenschmiede von Konrad Beikircher und Ferdinand Linzenich. Hier im städtebaulich verkorksten Teil Bergisch Gladbachs entwickeln die beiden Kabarettisten mit Blick auf die Moschee ihre Heilbotschaft für hilflose Wirtschaftsunternehmer. Kabarettisten und Wirtschaft? Können die überhaupt miteinander reden? Sie können, behaupten Beikircher und Linzenich. Und coachen, kommunikationsberaten und moderieren landauf-, landab Wirtschaftschefs und ihre Mitarbeiter. Was sie dabei erfahren, ist nicht immer lustig.
Welt am Sonntag: Was würden Sie einer Firma wie Lidl, die ihre Mitarbeiter mit versteckten Kameras ausgespäht hat, raten? Muss da was gemacht werden?
Konrad Beikircher: Oh ja. Ich würde mich einen Vormittag mit dem Vorstand zusammensetzen und denen nachmittags spiegeln, wie das ist, wenn man ausspioniert wird.
Welt am Sonntag: Sie würden die mit versteckter Kamera beobachten?
Beikircher: Genau. Ich würde heimlich filmen, und das würde ich denen dann zeigen. Da würden die vielleicht schon etwas merken.
Welt am Sonntag: In welchem Bereich Arbeitet das Duo Beikircher/Linzenich vorzugsweise?
Beikircher: Ich hab einen Freund, der ist für eine Firma nach China gegangen. Der hat drüben jemanden angestellt, der ihn mit der chinesischen Mentalität vertraut macht. Das gibt es bei uns doch auch. Wenn hier ein Schwabe oder jemand aus dem Badischen mit Honnefern und Düsseldorfern in Neuss zusammen arbeiten muss, ist es durchaus hilfreich, denen zu erklären, wie die jeweils anderen ticken.
Welt am Sonntag: Sie arbeiten also streng genommen im Bereich Völkerverständigung?
Beikircher: Gefällt mir sehr gut.
Ferdinand Linzenich: Wir denken uns hinein ins Unternehmen und spiegeln das aus kabarettistischer Sicht. Wir sind so etwas wie moderne Hofnarren.
Welt am Sonntag: Das heißt: Sie sollen Unternehmen lustiger machen?
Linzenich: Es ist erstaunlich, wie wenig die da oben von ihren eigenen Leuten wissen. Ich gehe da immer stark von den Mitarbeitern aus und schildere den Verantwortlichen, was bei denen eigentlich los ist. Da muss nur mal jemand hinkommen und sagen, dass der Kaiser ja gar keine Kleider anhat.
Welt am Sonntag: Und Sie sind die Heilsbringer?
Beikircher: Selbstverständlich. Wir sind zwar von oben geschickt, aber wir befördern Erkenntnisse von unten nach oben.
Linzenich: Und wir befördern die Botschaften mit einer gewissen Eleganz. Man kann mit Humor durchaus den Blick auf das Unternehmen verändern.
Beikircher: Ich bin mit einigen Leuten von McKinsey befreundet. Die erzählen mir dass der Beratungsjobschwierig ist, weil die Vorstände oft Angst haben, ihr Gesicht zu verlieren. Wenn das einer macht wie ich, sagen die: Von Wirtschaft hat der Beikircher sowieso keine Ahnung. Wir gelten als ungefährlich und können als Nadelstecher deshalb mehr bewirken.
Linzenich: McKinsey, die darf man nicht zu einer Party einladen. Wenn das Bier knapp wird, empfehlen die nicht ein neues Fässchen zu holen, sondern die Hälfte der Gäste rauszuschmeißen.
Welt am Sonntag: Und Sie sorgen für Nachschub?
Beikircher: Ja, genau. Wir schmeißen nicht raus.
Linzenich: Wir kommen ins Unternehmen erst rein, wenn die Schlacht geschlagen ist. Wir heilen. Wir sensibilisieren.
Welt am Sonntag: Glauben Sie, Sie hätten den Imageschaden für Nokia, der im Vorfeld zur Schließung des Bochumer Werks entstanden ist, verhindern können?
Linzenich: Nokia hat Finnland ja zum Schurkenstaat gemacht neben Iran und Liechtenstein. Konrad Beikircher hätte den Managern erst einmal klargemacht, wie die Deutschen ticken.
Beikircher: Den Deutschen hätte man durchaus sagen können, dass Entlassungen anstehen. Aber die bei Nokia haben ja das Revier beleidigt. Das war der Fehler. Aber ich glaube, den Auftrag hätten wir gar nicht angenommen.
Linzenich: Das ist ein bisschen als würdest du auf einer tragischen Beerdigung einen kabarettistischen Vortrag halten. Das ist nicht das Feld, auf dem wir arbeiten. Wir helfen, Vertrauen wieder aufzubauen. Wir erzählen denen, dass der Direktor eines Top-Hotels auch mal Schlüssel ausgibt, wenn es eine Schlange an der Rezeption gibt. Davon sind die meisten Vorstände aber weit entfernt.
Beikircher: Ich habe mal nach einer Veranstaltung mit dem Herrn Zumwinkel, damals noch bei der Post, zusammen gegessen und dem etwas erzählt von der Bedeutung eines Briefträgers für ein Viertel. Was es bedeutet, wenn der sich nach 42 Jahren auskennt wie sonst keiner, wenn die Leute ihn kennen, wenn er alles weiß. „Das habe ich nicht gewusst“, hat der mir gesagt. Die Manager wissen so etwas nicht.
Welt am Sonntag: Also geht es doch darum, dem Kaiser neue Kleider zu verkaufen?
Linzenich: Ja. Wir verkaufen hier keine hohe Wirtschaft. Wir werden für Menschenverstand bezahlt.
Beikircher: Common Sense. Wir weisen nur auf Selbstverständliches hin.
Welt am Sonntag: Sie spielen so ein bisschen die Super Nanny für die Wirtschaft?
Linzenich: Kann man so sehen.
Welt am Sonntag: Was ist denn ihr Antrieb? Wenn Sie zu Ihrem Programm 1000 Menschen in eine Halle locken, verdienen Sie doch mehr.
Beikircher: Da verdiene ich mehr, aber die 1000 habe ich nicht immer. Wir haben schon ein finanzielles Interesse, aber ein bisschen ist es auch eine Mission. Ich habe früher als Gefängnispsychologe viele Juristen und Sozialarbeiter ausgebildet, habe den einen gezeigt wie sie von den anderen gesehen werden und umgekehrt. Das, was wir jetzt machen, ist letztlich nur eine Variation davon.
Welt am Sonntag: Haben Sie nicht Angst, dass Ihr Ruf als Kabarettist leiden könnte, weil Sie letztlich doch nur den Zynismus der Wirtschaft kaschieren?
Beikircher: Ich bin kein politischer Kabarettist. Jeder weiß, dass ich der SPD relativ nahe stehe, aber ich stehe auf der Bühne nicht vor der Frage, ob ich irgendetwas nicht machen darf, weil ich schon mal einen Job bei Gerling gemacht habe. Viele Kollegen machen Galas, Auftritte bei Unternehmen. In den 70er-Jahren hatte das Hautgout. Da machte man das nicht. Da hatten literarische Kabarettisten wie Hanns Dieter Hüsch überhaupt keine Chancen. Hüsch hat übrigens mal was Schönes gesagt, als ihn die CSU um einen Auftritt gebeten hatte: „Im Grunde sollte man nur bei politischen Gegnern auftreten“.
Linzenich: Ich stehe übrigens der CDU nahe. Wir sind so etwas wie die große Koalition im Kabarett.
Welt am Sonntag: Herr Beikircher, wenn Sie der SPD so nahe stehen, eröffnet sich da nicht ein immenses Arbeitsfeld?
Beikircher: Wenn da was abfällt, bitteschön.
Linzenich: Ich hätte schon den Titel: Total besteuert.
Das Gespräch führten Hans Hoff und Christiane Hoffmans
„DER DEUTSCHE IST EIN VERLUSTDENKER”
INTERVIEW MIT FERDINAND LINZENICH UND THOMAS BRÜCKNER
ÜBER DEN NUTZEN DES LACHENS FÜR DIE WIRTSCHAFT
14.05.2002, von Ingo Petz
Frage: Herr Linzenich, Herr Brückner. Sie machen „Business-Kabarett“. Das müssen Sie uns erklären.
Linzenich: Ich bin gelernter Bankkaufmann und habe BWL studiert. Ich bin aber auch Kabarettist. So bin ich ein Wanderer zwischen den Welten, der sowohl die Sprache der Unternehmer spricht als auch die der Humoristen. Das zusammen bringt das Originäre des Produktes „Business-Kabarett“.
Frage: Klingt nach Dienstleistungskomik.
Brückner: Das Besondere ist, dass wir nicht versuchen Unterhaltung mit Essen und Trinken zu verkaufen, sondern, dass wir die Philosophie des Unternehmens aufgreifen. Wir machen aus einer Firmenveranstaltung ein Familienfest mit Talk, Kabarett, Comedy oder Theater.
Linzenich: Wir nennen das auch die Entdeckung der Emotionalität. Da die Emotionalisierung von Prozessen in einem Unternehmen auch die Kultur und die Leistungsfähigkeit bestimmt. Da Unternehmen allerdings nur noch nach ihren Shareholder Values beurteilt werden, sagen wir: Man muss sich darüber im KIaren sein, welcher emotionale Flurschaden entsteht – wie bei einer Fusion von Mannesmann und Vodafone. Das ist nichts anderes als die Angst um den Job. Das lähmt Prozesse und damit die Produktivität.
Frage: Bei internationalen Konzernen wird das sicher schwieriger. Amerikaner lachen anders als Deutsche.
Linzenich: Wir haben mal einen Krimi für Franzosen, Deutsche und Amerikaner geschrieben. Wir mussten die Befindlichkeiten der verschiedenen Völker zusammen bringen. Deutschland ist mit Klischees behaftet: bierernst, oberlehrerhaft, rechthaberisch. Das weiß jeder. Damit muss man spielen.
Frage: Eine Veranstaltung mit Wirtschaftsmenschen, die in Zahlen und Bilanzen denken, ist für Komiker sicherlich kein Spaß. Wann kommen die ersten Lacher?
Linzenich: Zunächst sperren sie sich. Das ist wie beim Bungee-Springen. Man ist sehr vorsichtig, weil man Angst hat, die Hosen runter lassen zu müssen. Aber zum Schluss verhalten sie sich wie eine ausgelassene Abitur-Klasse.
Frage: Keine schlechte Vorstellung.
Brückner: Das kann auch ernste Gründe haben. Ich versuche, etwas mit Humor zu vermitteln. So komme ich in der Regel besser weg, als wenn ich mir dem Vorschlaghammer der harten Fakten zu Rate ziehe. Wenn beispielsweise unangenehme Einschnitte wie Kündigungen anstehen, ist es immer besser, darüber zu sprechen, um den Latrinenparolen den Wind aus den Segeln zu nehmen. Humor heißt Offenheit und Souveränität.
Linzenich: Das Problem sind die Klischees: Der Deutsche ist ein Verlustdenker. Der Deutsche sucht immer das Haar in der Suppe. Und der Deutsche ist ein Schubladen-Denker. Unterhaltung heißt aber nicht gleich bunter Kindergeburtstag für Erwachsene. Der Deutsche glaubt, eine hochseriöse Veranstaltung würde zerstört, wenn gelacht wird. Ich zerstöre nicht die Ernsthaftigkeit, wenn ich einen Witz mache. Ich öffne den Weg für das Problem, über das gesprochen werden muss. Über die Lacher schaffe ich ein Gemeinschaftsgefühl und damit eine Identifikation mit dem Unternehmen. Auch eine Beerdigung kommt nicht ohne Lacher aus.
Frage: Sie verstehen sich als moderne Hofnarren. Der Narr stand aber immer mit einem Bein beim Henker. Werden Sie zensiert?
Linzenich: Zensur wird versucht. Wir sagen: Wer uns einkauft, kann uns nicht vorschreiben, was wir tun sollen. Das wissen wir am besten.
Frage: Unter Kabarettisten ist solche Humor-Dienstleistung sicherlich verpönt?
Brückner: Wie kann man Kabarett für Kapitalisten machen? Klar, das wird uns oft vorgeworfen. Meine Werte sind Freiheit und Entfaltungsmöglichkeit. Zum Privat-Kapitalismus stehen wir in jeder Form. Eine moralische Ideologie brauchen wir nicht.
Linzenich: Die Scheuklappen sind bei linken Kabarettisten besonders groß. Aber selbst der große, bis aufs Blut antikapitalistische Wolfgang Neuss fuhr bereits in den 60er-Jahren einen Jaguar E.
Frage: Und Sie, Herr Linzenich?
Linzenich: Ich fahre einen 7er-BMW, den neuen
